Machu Picchu

Stell dir vor, du bist in einer grossen Stadt in den Anden - Cuzco - sie liegt malerisch zwischen Hügeln auf einem fruchtbaren Plateau. Du läufst durch die bunten Gassen von Cuzco und bewunderst die alten, stattliche Häuser. An der Ecke steht ein Panflötenspieler und spielt seine lustigen Weisen. Du hörst ihm einige Zeit zu und spürst so richtig die Sehnsucht in seinem Spiel.
Einige Gassen weiter spielen Kinder Verstecken. Du spielst und lachst mit und du versteckst dich in einer wunderschönen Kirche. Vor lauter Farben und Formen in der Kirche vergisst du das Spiel mit den Kindern und erkundest die ganze Kirche. Du bewunderst die farbigen Fenster, die goldenen Statuen und die zarten Deckengemälde. Du setzt dich in die Kirchenbank und ruhst dich aus.
 
Es ist ganz ruhig. Du fühlst dich wohl. Du bist ruhig, gelöst und entspannt und du geniesst die innere Ruhe.
 

Du hörst ein Pfeifen und du erinnerst dich, dass du eigentlich zum Bahnhof wolltest.
Du trittst aus der Kirche heraus und gehst eine breite Allee mit wunderschönen Bäumen (vielleicht Kastanien?) hinunter auf das Bahnhofsgebäude zu. Das Gebäude ist im interessanten Stil erbaut und du erkundest es zuerst rundum, bis du zu einem grossen Bogentor kommst, dass in die Bahnhofshalle führt.
Hier wimmelt es von Menschen aller Kulturkreise, Verkäufer von Zeitungen, junge Mädchen die Süssigkeiten anbieten, einheimische Frauen mit ihren bunten Röcken und den steifen Hüten, Männer mit Taschen und Körben, die sie auf den Markt bringen und Kinder, die einfach herum tollen.
Auf der linken Seite siehst du den Billettschalter mit einer langen Menschenschlange davor und auf der rechten Seite liegen die Geleise. Du siehst, dass auf dem Gleis 7 eine Dampflokomotive mit fünf Waggons steht. Sie dampft bereits vor sich hin und ist bereit abzufahren. Wohin geht die Reise?
Das ist dein Zug! Dieser Zug führt dich in die Berge zum Machu Picchu. Du besteigst den hintersten Wagen und setzt dich auf den letzten Fensterplatz. Der ganze Wagen ist bereits besetzt. Du schaust dich um und beobachtest das bunte Treiben, beobachtest einige Zeit die Leute im Zug.
Ganz vorne sitzt eine alte Bauersfrau mit ihrem runzeligen Gesicht, mit ihren Augen blitzt sie schelmisch zu dir herüber. Sie hat ihre bunten, weiten Röcke um sich ausgebreitet und zieht friedlich an einer Pfeife.
Dir gegenüber hat ein junges Paar Platz genommen. Die Frau trägt in einem selbstgewobenen Tuch ihr Kind auf der Brust. Der Mann im Poncho hat neben sich eine Tasche mit einem Huhn darin. Über ihnen im Gepäcknetz sind noch Taschen, Koffer und Lebensmittel verstaut. Du hilfst einem alten Mann, der vom Markt gekommen ist, die vielen schweren Körbe durchs Fenster in den Wagen und hoch ins Gepäcknetz heben.
 
Nun lehnst du dich in deinem Sitz zurück. Du fühlst die wohlig schwer. Vom Tragen der schweren Körbe sind deine Arme ganz schwer, ganz schwer, schwer.
 

Wieder ertönt ein Pfeifen und der Zug setzt sich langsam in Bewegung. Er fährt aus dem Bahnhof heraus. Die Häuser ziehen langsam vorbei. Es werden immer weniger Häuser.
Du schaust zum Fenster hinaus, siehst das Flüsschen Urubamba, das neben den Geleisen dahin fliesst, siehst die Bäume vorbei fliegen und ab und zu siehst du ein paar Häuser mit Menschen und Tieren.
Langsam werden die Hügel rechts und links höher und höher. Alle Hügel sind bewaldet und manchmal siehst du eine Strasse oder einen Weg, die nach oben führen. Du fährst und fährst durch dieses Tal, die Lokomotive pufft regelmässig vor sich hin.
Hin und wieder hält der Zug bei einem kleinen Bahnhof oder auf der Strecke an und Leute steigen mit lautem Geplapper und Lachen aus und ein. Und der Zug fährt weiter in diesem Tal.
Das Flüsschen Urubamba ist bereits zu einem Fluss geworden. Sein Ziel ist der Amazonas und das Meer!
 
Du fühlst dich wohl. Du bist ruhig, gelöst und entspannt.
 

Du hörst dem regelmässigen Geräusch des Zuges zu:
 
Pa dam, Pa dam, Pa dam, Pa dam, - ruhig und regelmässig - Pa dam, Pa dam, Pa dam, Pa dam.......
 

Nach einiger Zeit fährt der Zug in einen kleinen Bahnhof ein.
Du bist angelangt, dort oben, 700 Meter über dir leuchten die Ruinen von Machu Picchu. Du staunst den Berg mit seiner üppigen Vegetation an und fragst dich, wie du da hoch kommst.
Ein kleiner klappriger Bus wartet auf dich und alle die da hinauf wollen. Du steigst mit allen anderen ein und der Bus bringt dich in zig Kurven die schwindelnde Höhe hinauf.
Oben angekommen steigst du mit innerer Erregung aus. Was erwartet dich? -- Du schaust dich um -- und bist überwältigt! -- So was hast du noch nie gesehen! -- Du tauchst in eine eigene Welt auf dieser Höhe und betrachtest sie stumm. -- Du beginnst die heilige Stadt Machu Picchu zu erkunden. Du streifst auf der Plattform herum, setzt dich ab und zu wieder hin und bestaunst einen Tempel oder die terassenförmige Anlage mehrerer Häuser und kannst dich nicht satt sehen an all diesen Bauwerken -- du betrachtest auch die noch höheren pyramidenförmigen Berge rings um Machu Picchu. Du spürst die besondere Stimmung.
Du setzt dich auf eine alte Mauer in der Sonne und geniesst diese Ruhe auf 3000 Meter Höhe -- du geniesst die wundervolle Aussicht und Weitsicht -- du geniesst die Sonne die angenehm warm scheint. -- Du geniesst zu leben und das erleben zu können.
 
Du fühlst dich wohl. Du bist ruhig, gelöst und entspannt.
 

Du hörst ein Hupen! Der Bus wartet auf dich. Er wird dich wieder sicher nach unten bringen. Die Zeit ist wie im Fluge vergangen und du musst Abschied nehmen von diesem Ort. Du kannst ihn in deinem Herzen mitnehmen.
Die Fahrt geht wieder die steile und kurvenreiche Strasse abwärts und der Zug bringt dich zurück nach Cuzco.

Autorin: Verena Bürkler, Atelier Espri, Zürich www.espri.ch
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